Flatternde Gedanken

Heute ist einer dieser Tage, an denen gar nichts geht. Dabei war die Woche bisher gar nicht schlecht. Jeden Tag habe ich mein Tagespensum abgehakt, sogar an den vollen. Aber jetzt klemmt es enorm. Es ist gewittrig, der Schädel brummt, Konzentration ist nicht und es geht nur schleppend voran.

Trotzdem ist der Tag nicht ganz verloren. Es haben sich mal wieder offene Fragen beantwortet, nach deren Lösung ich lange gesucht habe. Wieder ging das ganz automatisch und ich frage mich, warum ich mir immer so eifrig den Kopf über Dinge zerbreche, die dann von ganz allein kommen.

Auch der Verlauf der nächsten Kapitel ist eigentlich klar. Ich weiß, welche Szenen kommen sollen, ich weiß in etwa, wo ich hin will. Es müsste also nicht blockieren. Aber trotzdem hakt es. Es sind die schwierigen Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren, auch die Tatsache, dass hier immerhin ein ganzes Häufchen aufeinander klebt und interagieren muss. Es fällt mir schwer, die Balance zwischen ruhigen, informativen Szenen und Action zu finden, keines davon überwiegen zu lassen. Kurzum – wirklich glücklich bin ich momentan nicht.

Aber gut – es sind erst 114 Seiten. Da bin ich meistens noch nicht so fest in der Geschichte, dass alles komplett rund läuft. Von daher erwarte ich es nicht. Und ich weiß, sobald ich wieder munter am Tippen bin, wird sich alles irgendwie ergeben.

Also – aufraffen. Weitermachen. Netz auswerfen und Gedanken einfangen. Auch wenn sie noch so schlüpfrig sind.

Schreib endlich!

Ich sitze am Computer und mein innerer Bootcamp-Instructor brüllt: „Schreib, Du Luder! Schreib endlich!“, während ich mir überlege, ob ein Besuch der Kaffeemaschine nicht die bessere Option ist. Das ist momentan unser täglicher Kampf. Er schreit mich an und ich bin bockig und gebe ihm patzige Antworten. Noch gibt es ein bisschen Kleinkram zu tun, bevor das Tagespensum zu erfüllen ist. In der Charakterdatenbank wartet ein neuer Eintrag darauf, ausgefüllt zu werden. Ein neuer Charakter ist auf der Bildfläche erschienen und macht die Dinge komplizierter, als ich es zunächst angenommen habe. Aber das ist ok – es macht es nur schwieriger für mich, die Geschichte zu gestalten. Schaun wir, was die Datenbank über das Mädel an den Tag bringt.

Die fehlende Logik im ersten Kapitel hat sich irgendwo im dritten offenbart, als ich gar nicht danach gesucht habe. Mittlerweile gestaltet sich der Anfang also in etwa so, wie er soll und die Sache nimmt wasserdichte Formen an. Das bedeutet, dass sich langsam der Spaß am Schreiben anschleicht. Noch ist er zögerlich und versteckt sich schnell wieder, wenn ich ihn zu hart anpacke, aber ich werde ihn schon noch dauerhaft herauslocken.

Ich bin an sich nicht unzufrieden mit dem aktuellen Verlauf. Noch sind mir die Charaktere ein bisschen blass und ich muss nachschleifen. Ich weiß, dass Lyân ein durchaus schwieriger Charakter sein wird. Sie ist kantig und stur, kämpferisch und eigensinnig. Das mag nicht unbedingt jeder. Bislang war Neah sicherlich diejenige, die den Leser am schnellsten auf ihrer Seite hatte. Da ist die Versuchung groß, andere Charaktere ähnlich anzulegen. Allerdings braucht jedes Buch neue Charaktere und eine neue Geschichte. Wiederholen ist nicht – also fällt das flach. Ich muss aus dem kleinen Borstenvieh hier eine Frau zaubern, die einen Roman auf ihren Schultern tragen kann.

Seltsamerweise ist es gefühlt häufig so, dass man männlichen Figuren ihre Fehltritte schneller vergibt als weiblichen. Das merke ich oft – nicht nur bei meinen eigenen Büchern. Frauen werden strenger unter die Lupe genommen. Also ist es ungleich schwieriger, sie zu gestalten.

Charaktergestaltung ist ohnehin jedes Mal ein schwieriges Thema. Und bei jedem neuen Buch kämpfe ich lange damit. Die Ansichten, wie jemand zu sein hat oder wie er sich verhalten müsste, sind so unterschiedlich wie die Menschheit. Man kann es nicht jedem recht machen und verzweifelt manchmal an der Aufgabe, einen Mittelweg zu finden. Die erste Reaktion ist da oft: Schleife alle Ecken und Kanten weg, mach es gefällig und glatt. Aber das kann es letztlich auch nicht sein. Wenn mir das passiert (und das tut’s am Anfang oft), kommen Salz und Pfeffer auf den Tisch und ich würze so lange, bis die Persönlichkeit wieder zum Vorschein kommt.

Letztlich sind Buchcharaktere genauso wie echte Menschen. Sie verhalten sich nicht immer tadellos und tun nicht immer das Richtige. Man ist nicht mit allem einverstanden, was sie treiben oder möchte ihnen gelegentlich etwas Hartes gegen den Schädel hauen. Und solange das so ist, ist es auch gut. Denn nur dann leben sie. Wenn ihr Treiben mich gar nicht mehr interessiert, ist irgendetwas schief gelaufen. Nur – manchmal vergesse ich das selbst und dann bin ich meistens auf dem falschen Dampfer und darf den irgendwie wieder aufhalten.

Also bleibt Lyân borstig. Und ich versuche, ihr so viel Leben einzuhauchen, dass man ihr diese Borstigkeit verzeihen kann. 😉

Sommergewitter

Es fällt mir meistens schwer, direkt nach einer Veröffentlichung in meine normale Schreibroutine zu finden. Auch diesmal ist das nicht so viel anders. Hat es anfangs noch wunderbar geklappt, ist jetzt ein bisschen Sand im Getriebe. Das ist natürlich nicht so ungewöhnlich. Aufregung, viele Meinungen, die auf einen einstürmen, hier und da Ärgerliches – das hemmt und blockiert. Man hat zu viel im Hinterkopf und muss aufpassen, dass man sich in der entstehenden Geschichte nicht davon verändern lässt. Denn bei allem muss man natürlich weiterhin seinen eigenen Weg gehen.

Bei mir ist das ein relativ normaler Prozess, der es manchmal nötig macht, dass ich mich abkapsle und die „Außenwelt“ für eine Weile aussperre. Am Freitag war wieder so ein Tag, an dem ein radikaler Schnitt nötig war. Ganz hilfreich war dabei ein heftiges Gewitter, das einige Stunden lang mit Hagel und Starkregen getobt hat. In dieser Zeit sind alle technischen Gerätschaften abgeschaltet, das Stromnetz ist mäkelig und man muss auf stromlose Dinge zurückgreifen. Da heutzutage fast alles technisiert ist – sogar das Buch – bleibt nicht so viel Auswahl. Bei mir waren es dann Stift und Block, die wieder einige Erkenntnisse gebracht haben.

Eine davon – unangenehm – ein großer Teil von Kapitel 1 und 2 musste umgeschrieben werden. Das ist noch nicht ganz zu meiner Zufriedenheit passiert. Ein bisschen feilen muss ich noch und ich habe den Zugang zu meinen neuen Charakteren noch nicht zu 100% gefunden. Auch das ist normal – es ist die Zeit, in der man sich durchbeißen und durchhalten muss, obwohl man am Liebsten alles in die nächste Ecke pfeffern würde.

Allerdings sind auch viele Details hinzugekommen, die mich dann doch dazu bringen, durchhalten zu wollen. Der tiefere Zusammenhang hat sich offenbart und mir einen erstaunlichen Bösewicht geschenkt, der aus „Feenblut“ hervorgeht. Damit habe ich nicht gerechnet und deswegen ist es umso willkommener. Hier ist ein roter Faden, ein Kreis, der sich schließt und das ist wiederum ganz wunderbar. Auch die beiden Hauptcharaktere haben im Grunde alle Anlagen, um mir ans Herz zu wachsen. Aber ich kenne sie noch nicht gut genug, um einen flüssigen Verlauf zu schaffen. Hier ist kein Aerios, den ich schon aus einem vorherigen Buch ganz gut kenne. Gwynna und Eyra sind zwar nicht neu, aber sie sind Nebenfiguren und dementsprechend hilft mir das nicht sonderlich.

Es hilft also nichts – Zähne zusammenbeißen und Augen zu ist hier die Devise. Die Tastatur ist jedenfalls schon geputzt und alles ist bereit. Jetzt muss nur noch der Fluss hinterher kommen.

Dunkle Wolken

In den Nebellanden braut sich einiges zusammen. Es hat ein Weilchen gedauert, bis ich einen roten Faden für das „Grüne Buch“ gefunden hatte. Der Aufhänger war da, Charaktere waren da … aber wie das alles zusammenhängt, hat sich mir entzogen. Es gab keinen sichtbaren Verlauf und nach dem recht flüssigen Einstieg begann es im 2. Kapitel zu holpern. Es haben zu viele Eckdaten gefehlt, vieles war zu schwammig, um damit arbeiten zu können. Und ich habe einfach keinen Weg gefunden.

Wie immer hat eine kurze Sitzung mit Schreibblock und Stift viele Lösungen gebracht. Und diese Lösungen haben Erstaunliches zutage gefördert. Wieder schließen sich Kreise. Aus einzelnen Geschichten verschiedener Figuren entsteht allmählich ein zusammenhängendes Gebilde. Und ich würde mich nicht wundern, wenn eine ganz spezielle Geschichte an ihrem Ende steht, bei der ich das Gefühl hatte, dass sie noch nicht erzählt werden kann. Das Gefühl mag richtig gewesen sein.

Viele Fäden aus Feenblut weben sich hier wieder in die Geschichten ganz anderer Charaktere. Natürlich wird auch das „Grüne Buch“ eigenständig und abgeschlossen sein, aber die Geschehnisse in den Nebellanden bilden einen gewissen Rahmen, der sich immer weiter fortsetzt. Das ist interessant, weil es nie meine Absicht war. Es scheint, als ob sich vieles verselbstständigt hat, ohne dass ich es sofort registriert habe.

Allerdings war das Ganze nicht nur erfreulich. Ich muss einige Seiten aus dem 2. Kapitel löschen und einiges umschreiben. Das ist nicht weiter tragisch, weil ich sowieso das Gefühl hatte, dass irgendetwas nicht ganz passt. Und tatsächlich ist es so – der richtige Weg ist ein anderer und der baut auch eine ganz andere Spannung auf. Ich konnte ihn nur vorher noch nicht sehen.

Tja. Die Magie von Stift und Papier – man sollte sie nie unterschätzen. 😉

Von zickigen Covern

Es ist wie immer der schönste Moment – das fertig gedruckte Buch liegt vor der Nase. Man hält das dicke Papierbündel in der Hand und sieht zum ersten Mal wirklich, welche Wortmengen auf dieIMG_0029 Seiten geflossen sind. Diesmal ist es ein hübscher kleiner Brummer in dunklem Blau und es ist erstaunlich, wie viele Nerven er mich gekostet hat. Und das in jeder Hinsicht. Beim Schreiben, beim Korrigieren – und nicht zuletzt beim Cover.

Es war eine ziemliche Herausforderung, Sylveine aufs Bild zu bekommen. Ich hatte unglaublich viele Versionen auf meiner Festplatte liegen, bis ich endlich zu einem Ergebnis gekommen war, das ich wirklich mochte. Allein der Hintergrund war wohl dabei schon der größte Irrtum. Glitzernde Wasserfälle sind ja nett, aber wohl ein bisschen daneben in diesem Zusammenhang. Und ich hätte die arme Frau nicht in Kleider stecken sollen, die letztlich gar nicht zu ihr passen. So war es also eine arg anstrengende Odyssee, bis das winterliche Bild der Zaubersängerin zustande gekommen war. Sylveine ist nun wirklich keine Zicke – aber in Kleiderfragen scheint sie äußerst heikel zu sein. 😉

sylveineWeniger heikel gestaltet sich momentan das Schreiben. Das erste Kapitel ist fertig, das zweite immerhin fast. Ich muss jetzt eine kleine Pause einlegen und ein anderes Buch Korrektur lesen. Und dann springt noch die Sache mit den „Groschenheftchen“ in meinem Kopf herum. Kleinen, in sich abgeschlossenen, aber doch zusammenhängenden Büchlein mit einem unheimlicheren Hintergrund, die in Elorean spielen. Ich habe einen Eimer Charaktere, einen roten Faden und jede Menge Ideen im Kopf, die da raus wollen. Vielleicht eine ganz gute Sache, mal etwas Kürzeres zu schreiben, um den Kopf ab und an freizubekommen. Wir werden sehen, was draus wird. Und ob ich „kurz“ noch kann. 😉

Und plötzlich steht man im Wald …

Alles, was ich sicher nicht wollte, war, das „grüne Buch“ anzufangen. Der erste Sonntag nachdem Aerios und Sylveine auf die Reise gegangen sind – eigentlich wäre Ausruhen angesagt, ein bisschen zur Ruhe kommen. Und dann juckt es. Und juckt. Freund liegt mit Kopfschmerzen flach … und auf einmal ist man mittendrin. Irgendwo in Erys’vea, der Waldstadt im Norden der Nebellande. Und plötzlich schneit Eyra herein und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Schreiben wollte ich nichts. Noch ein paar Tage nicht. 7 Seiten sind aus diesem „Nichts“ geworden und ein neues Abenteuer nimmt seinen Lauf.

Noch bin ich unsicher. Alles ist neu, ich kenne Lyân noch nicht, es ist holprig und muss sich entwickeln. Viele Fragen sind offen, der Verlauf etwas anders, als ich mir das zuerst vorgestellt habe. Es wird mehr vorab geredet, es ist weniger „dynamisch“, weil man doch mehr Worte braucht, als man es zu Beginn glaubt, wenn diese kleine Idee keimt. Aber so ist das eben mit dem Vorstellungen – die treffen selten zu, wenn man sie dann wirklich umsetzen soll.

Ich muss jetzt nachdenken. Überlegen, was aus diesem plötzlichen Anfang wird, ein bisschen schleifen, damit ich reinkomme und dieser kleine rohe Klumpen eine Form annimmt, aus der ein Roman werden kann.

Aber irgendwie – so unerwartet es auch gekommen ist – ist es gut. Lieber ohne nachzudenken ins kalte Wasser springen, als tagelang darauf warten, dass man diesen schrecklichen Anfang findet. Diese Angst vor der bösen, weißen Seite überwindet. Da sitzt und denkt und denkt und doch nix tut. Weiße Seiten sind noch viele da – aber einige davon sind jetzt eindeutig beschrieben.

Schaun wir, wohin das gehen wird …

Danach

Irgendwie geht am Ende immer alles ganz schnell. Am Mittwoch ist Aerios auf die Reise gegangen und der Meister der Masken muss jetzt auf seinen eigenen Beinen stehen. Wie immer ist es ein seltsames Gefühl. Man will sich nicht von seinen Charakteren trennen und das Loslassen fällt schwer. Diesmal wohl besonders, weil es eine so lange und ereignisreiche Zeit war. Aber es ändert nichts – Bücher werden geschrieben, um gelesen zu werden, also muss man sie irgendwann gehen lassen. Und wenn man schon dabei ist, kann man gleich auch noch die »alten« Bücher ein bisschen aufmotzen, also habe ich Cover aufgefrischt, eBook Innereien geputzt und alles auf den neusten Stand gebracht. Sich ein bisschen zusätzlich stressen kann ja nicht schaden. 😉

Natürlich geht das nie ohne Blessuren ab – diesmal haben sich zum Glück noch keine Aphten eingefunden – dafür Kopfschmerzen und diverse andere Probleme, die mich erstmal effektiv in die Ecke befördert haben.

Das hält mich aber nicht davon ab, weiter das nächste Buch zu planen. Das »grüne Buch« steht in den Startlöchern. Ich übertrage Notizen und Charaktere von Writers App in meinen Papyrus, ich mache das Dokument bereit und es wird nicht lange dauern, bis es losgeht.

Wie schon vorher angedeutet, bleibt alles in der Familie. Diesmal weiterhin in der königlichen Familie von Sariyal, der Sylveine und Gwydeon entstammen. Die männliche Hauptfigur wird Gwydeons jüngerer Bruder Tristeyn sein und natürlich gibt das die Gelegenheit, ein wenig in die Hintergründe des Bösewichts aus Feenblut einzutauchen. Aber auch Königin Gwynna, die dort am Ende aufgetaucht ist und die in Sylveines Geschichte mehrfach erwähnt wird, spielt eine gewisse Rolle darin.

Auch diesmal ist es eine spannende Reise, die Zusammenhänge in dieser Familie freizulegen und es haben sich einige interessante Charaktere dabei herausgebildet, auf die ich mich freue. Nicht zuletzt ist Lyân, der weibliche Hauptcharakter, ein ziemlicher Gegensatz zu den anderen Mädels – ein kämpferischer Charakter, der auch auf andere Waffen als eine scharfe Zunge zurückgreifen kann.

Ich bin gespannt, wohin mich diese Reise führt. Es juckt in den Fingern und ich denke, es wird gar nicht lange dauern, bis es endlich losgeht. Hinein in die Flüsternden Wälder, zum ersten Einhorn und den Dor’Fey, die im Fluch des Drachen erwähnt worden sind. Es wird wieder ganz anders, es gibt neue Völker und neue Schauplätze und doch bleiben viele Dinge vertraut. Ein Grund, sich auf den Startschuss zu freuen und sehr bald auf »Schatzsuche« in den Nebellanden zu gehen.

Land in Sicht!

Es hat lange gedauert, aber schließlich war gestern auch der riesige Brocken »Zweitkorrektur« beendet. Es ist jedes Mal wieder der schlimmste Korrekturgang, der Nerven und Kraft kostet und auch Aerios’ Geschichte war keine Ausnahme. Am Ende bin ich auf dem Zahnfleisch über die Ziellinie gekrabbelt und war unglaublich froh, als es vorbei war.

Jetzt sind die Feinarbeiten angesagt. Der Textblock für die Druckversion ist gesetzt und zeigt mir 573 Seiten an – ca. 30 Seiten sind beim Setzen verloren gegangen, aber das ist ja leider nicht ganz neu. Trotzdem – eine ordentliche Länge. Auch der Coverentwurf steht bis auf ein paar kleinere Feinheiten, Klappentext und Co. liegen parat und müssen nur noch durchgearbeitet werden. Jetzt kommt der letzte Korrekturgang – nochmal in aller Ruhe über den Text lesen, letzte Eckchen abschleifen, dann alles ins eBook stopfen und Aerios kann auf die Reise gehen.

Momentan ist das alles noch sehr hektisch, an ein erleichtertes Aufatmen ist nicht so ganz zu denken. Aber ich habe mir vorgenommen, diesen letzten Durchgang zu genießen, bevor der Abschied gekommen ist. Gut, ein Abschied auf Zeit, da bin ich mir relativ sicher. Trotzdem ist erst das grüne Buch dran – es ist schlicht in meinem Kopf schon zu weit entwickelt, um es nach hinten zu schieben. Es sind zu viele Personen da, zu viele Stichpunkte, als dass ich sie jetzt noch abwürgen möchte. Und nicht zuletzt tut so ein kleiner Schauplatzwechsel auch ganz gut nach dem ganzen Stadtszenario. Waldluft statt Schattenhof – ein extremer Wechsel, aber das ist gut so. Also schiebe ich die entsprechenden Geschichten nach hinten – es sind zumindest genügend da, um mich nicht so schnell in eine Ideenflaute laufen zu lassen.

Wie auch immer – ich freue mich, wenn’s wieder mit dem Schreiben losgeht. Aber bis dahin gibt es hier noch ein ganz schönes Häufchen Arbeit zu bewältigen und mit dem geht’s jetzt auch weiter. 😉

Das Huhn in mir

Mittlerweile zeigt mein Spiegelbild etwas, das doch verdächtig an ein rotäugiges Huhn erinnert. Der zweite Korrekturgang fordert seinen Tribut, meine Laune ist im Keller und ich mutiere gelegentlich zu einer schlecht gelaunten Zicke. So weit ist das alles relativ normal – wann wäre es je anders gewesen? Natürlich wird auch alles ordentlich angezweifelt – man braucht ja seine Portion „alles blöd, alles nix“, sonst wäre irgendetwas nicht in Ordnung. Ich gehe mir also teilweise gehörig selbst auf die Nerven und krieche im Schneckentempo voran.

Das hält mich allerdings nicht davon ab, Abends das nächste Buch zu planen. Irgendwann hat sich das „Grüne Buch“ durchgesetzt. Wahrscheinlich, weil ich recht viele brauchbare Ansätze für die Charaktere gefunden habe. Aerios ist allerdings nicht vom Tisch – irgendetwas sagt mir aber, dass gerade nicht der richtige Zeitpunkt dafür ist. Vielleicht liegt es daran, dass die Nebellande Bücher alle ein bisschen zusammenhängen und ich denke, dass dieses einfach vorher kommt. Dann will ich auch etwas schreiben, was in den Sommer passt – es fällt mir leichter, wenn die Stimmung ansatzweise in der Jahreszeit fühlbar ist.

Mittlerweile ist die Geschichte klarer. Das liegt auch daran, dass ich ein nettes, kleines Tool namens Writers App gefunden habe, in dem ich Charaktere, Schauplätze und Kapitel planen kann. Ich benutze ja ohnehin gern die Charakterdatenbank in Papyrus, bevor ich zu schreiben anfange und hier kann ich alles hübsch darauf abstimmen und übertragen. Das ist prima – ich brauche den Aufschreibe-Prozess mit meinen Tausend Notizzetteln, um meine Ideen zu sortieren und mir über alles klar zu werden. Das setzt neue Ideen frei und entsprechend sind Völker und Protagonisten entstanden, deren Existenz mir vorher nicht bewusst war.

Auch diesmal ist es eine neue Facette dieser Welt, die sich langsam herausbildet und ich freue mich darüber. Auch ein Wiedersehen mit Eyra steht an, obwohl ich das eigentlich in dieser Form gar nicht geplant hatte. Es ist spannend, bei der Entstehung dieser neuen Geschichte zuzuschauen, die wieder ganz anders ist als die letzte. Spannend auch, dass sich ein zusammenhängendes Gebilde ergibt, das sich über alle Bücher erstreckt, obwohl sie eigenständig sind.

Manchmal ist das schwierig. Es gibt immer wieder Kleinigkeiten, die ich nicht in jedem Buch neu erklären kann – die magischen Quellen beispielsweise oder die Magie des Landes. Wer nicht alle Bände gelesen hat, kann mit einer Nebenbemerkung zu einem Charakter oder Geschehnis vielleicht nicht immer etwas anfangen. Alle anderen wollen es nicht zigfach neu lesen. Ich versuche, das gering und trotzdem verständlich zu halten, aber es ist manchmal eine ziemliche Gratwanderung.

Sei’s drum. Für den Augenblick ist es weiterhin die Korrektur, die an erster Stelle steht. Alles andere wird sich finden und ich buddele wirklich gerne nach diesem neuen Weltteil, der gerade zwischen den Zeilen wächst und gedeiht.

Desillusionierende Erkenntnisse

Man sollte wahrscheinlich nie genauer darüber nachdenken, was noch gemacht werden muss. Maximal 60 Seiten Korrektur pro Tag sind an – sehr – guten Tagen drin. An normalen eher 30 bis 40. So gesehen habe ich gerade bei Gang 1 noch stolze 160 Seiten vor mir. Also mindestens 3 Tage Arbeit. Bedenkt man, dass die gleiche Suppe noch einmal von vorne laufen muss, sind das wieder mindestens 10 Tage für Gang 2. Mindestens. Doppelt wäre es realistischer. Das kann schon unglaublich an der Motivation fressen. Vom Setzen und dann noch mal einem letzten Gang mit dem fertigen Buch reden wir da besser gar nicht.

Entsprechend bin ich ein wenig missmutig. Nimmt man noch die dauernden Kopfschmerzen + Übelkeit durch das wechselnde Wetter dazu, würde ich wirklich lieber den Kopf unter die Bettdecke stecken und gleich darunter bleiben.

Noch dazu hat mich die Korrektur auf zwei weitere mögliche Romanableger gebracht, die ich beide vom Ansatz her sehr interessant finde. Auf den einen hätte sich sicher am meisten Lust – aber ich glaube, ich sollte diese Geschichte trotzdem noch beiseite schieben, weil sie ein wenig düster ist und der Schauplatz gleich bleiben würde. Insgesamt macht das also schon vier Ideen, mit denen ich jonglieren muss und unter denen ich mich entscheiden darf. Gut, viele Ideen sind sicher besser als keine. Aber leider kann man schlecht alle gleichzeitig verwirklichen. Mein Kopf brummt also nicht nur, er schwirrt auch noch dazu. Alles in allem könnt’s deutlich besser laufen. 😉