Ich bin ja eher so ein Entdeckungserzähler. Das heißt, ich habe ein Gerüst aus Charakteren und Szenen, die irgendwo in der Geschichte ihren Platz finden werden und gehe dann auf eine Reise, bei der ich den Rest entdecke und herausfinde, wo die einzelnen Puzzleteilchen zu platzieren sind. Das führt natürlich in 99% aller Fälle dazu, dass es auch nach dem Ende der Geschichte noch Dinge zu entdecken gibt.
Sonnenblut war irgendwann mal als Einteiler geplant – mit einer vagen Möglichkeiten eines zweiten Teils – nach einem abgeschlossenen ersten Band. Die Realität sieht ein wenig anders aus, was daran lag, dass die Geschichte sich eigenwillig in eine andere Richtung entwickelt hat – und aus einem schlichten Fluch und einer Romeo & Julia Story auf einmal etwas sehr Komplexes wurde. Gut, seien wir ehrlich – allein der Romeo & Julia Gedanke ging relativ schnell in die Hose. Dameo und Alysea wollten das nicht so ganz erfüllen. 😉
Und dann war sie zu Ende. Und ich habe schon beim Schreiben bemerkt, dass eine zweite Geschichte darunter bleibt, die noch erzählt werden will. Das liegt an zwei Dingen – einmal gibt es in beinahe jedem Buch Nebencharaktere, bei denen man merkt, dass mehr in ihnen steckt als nur die Existenz als zweite Geige. Dazu reicht nur eine Szene, bei der man weiß: da ist noch etwas vergraben. Das war in Sonnenblut so und hat sich in Mondtränen extrem erhärtet.
Dann ist da noch eine zweite Komponente, denn auch wenn der eine oder andere befürchtet hat, dass die Geschichte in eine ganz andere Richtung abdriften wird, hat sie das nicht getan. Das bedeutet, dass ein breiter Bereich geblieben ist, der in einer eigenen Geschichte erzählt werden muss – in der Nebencharaktere ins Rampenlicht treten. Es ist nicht möglich, in Sonnenblut und Mondtränen ALLES zu erzählen, was zu erzählen ist. Trotzdem ist die Geschichte von Alysea und Dameo jetzt abgeschlossen. Aber sie hat Fäden hinterlassen, die weiter reichen, als es je geplant war.
Noch ist das alles ein bisschen schwammig, wenn ich davon erzähle. Denn wenn ich heute sage, dass Vangelas und Sofea an der Reihe sind, ihre Geschichte zu erzählen, kommt zumindest bei ihm erst mal ein Fragezeichen: Wer war das doch gleich?! 😉 Aber ich denke, das wird sich bald ändern.
Für mich ist es der Beginn einer Reise in eine noch fremde Welt – die Welt der Dämonen, die erst noch erschaffen werden muss, während diese Reise voranschreitet. Es gibt Namen, es gibt Orte und eine Hintergrundgeschichte, aber das ist auch schon alles.

Wird das ein Einzelband? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Während die Fäden entstehen, sehe ich, dass auch hier eine epische Geschichte lauert, mit Charakteren und Nebencharakteren, die ihren Raum brauchen werden. Mit einer Welt, die Umwälzungen ausgesetzt war und die noch mehr Umwälzungen zu erwarten hat, während alles auf den Kopf gestellt wird, was sie ausgemacht hat. Und natürlich wird es Begegnungen mit lieb gewonnenen Charakteren geben. Die Geschichte ist also noch nicht zu Ende – auch wenn sie abgeschlossen ist. 😉

Es ist wieder so weit, das Ende einer langen Reise ist da. Gwynna und Bryn sind aufgebrochen und müssen sich nun da draußen in der Welt beweisen. Es war eine harte Korrektur diesmal. Bis zum bitteren Ende haben sich Fehler eingeschlichen und ab einem gewissen Grad war die Schmerzgrenze weit überschritten. Aber es ist vorbei. Im Laufe des Tages wird auch die Taschenbuch Version endlich erhältlich sein und damit ist der König der Wölfe am Ende – oder am Anfang – angelangt.

Jetzt kommen die Putz- und Abschlussarbeiten. Dokumente ausräumen, Website aktualisieren, übrige Arbeiten erledigen. Und vieles machen, was in der Korrekturzeit auf der Strecke geblieben ist.

Nun muss die Rabenkönigin fertig werden. Eine neue Reise, eine fremde Welt, ein temporärer Abschied von den Nebellanden. Gar nicht leicht, wenn man bedenkt, dass noch einige offene Geschichten warten. Mit und mit kristallisieren sich zwei Zyklen heraus. Einer, der sich mit Sariyal / Erys’vea befasst und der in Feenblut seinen Anfang genommen hat. Der zweite dreht sich um das Königreich Ailyad und hat mit dem Fluch des Drachen begonnen.
Entsprechend gibt es momentan zwei mögliche Wege – der in die Dschinnlande, auf dem Lucian wartet und der Weg in den Norden, zu den Frostriesen. Kyall und seine Adlerreiter wollen weiter erforscht werden und für den Augenblick ruht die Sariyal Familie. Bis sich die Wege der Zyklen irgendwann bei Aerios und Sylveine wieder kreuzen. Irgendwo, am Ende. 😉

Auch eine neue, jüngere Generation von Protagonisten wächst gerade heran und hat sich in meinem Kopf breitgemacht. Auch dort warten neue Geschichten, die noch erzählt werden wollen. Aber all das ist natürlich Zukunftsmusik. Für den Moment ist erst mal Wochenende angesagt – möglichst ohne „eigenen“ Text …

Eigentlich war es schon am Sonntag erreicht, das Ziel der Reise von Gwynna und Bryn. Irgendwann gegen 13 Uhr sind sie in den Heimathafen eingelaufen und der letzte Satz war geschrieben. Und es hätte alles gut sein können – wäre da nicht diese kleine, fiese Logiklücke geblieben, die mich noch zwei Tage danach in Atem gehalten hat. Aber jetzt ist alles im Kasten. Das Finale ist neu geschrieben und das nagende Gefühl: „Da stimmt doch was nicht!“, hat sich endlich verflüchtigt.

Die Überarbeitung steht an. Korrektur. Und wie immer wird die dauern und dauern und dauern. Jetzt liegt die erste Seite vor mir und ich wehre mich standhaft dagegen, wirklich damit anzufangen. Nutzen wird es nichts – der Text wird sich nicht von allein überarbeiten. Also motiviere ich mich mit der Aussicht auf das fertige weiß-goldene Druckwerk.

Wieder wird es kein dünnes Büchlein sein. Beinahe 680 Normseiten stark ist der Rohtext. Gerade mal 70 weniger als Falkenseele. Und das ist wahrscheinlich kein Wunder, wenn man durch den Weg blättert, den meine Protagonisten hinter sich gebracht haben. Und am Ende ist alles neu. Die Nebellande haben sich verändert und ich bin gespannt, wie sich das auf weitere Bände auswirken wird – auch wenn zumindest das nächste Buch aus Elorean noch vor dieser Zeit angesiedelt sein wird.

Aber für den Augenblick ist das noch in weiter Ferne. Die Reise geht in eine neue Welt, zur Rabenkönigin, die schon in ihrem Dokument auf mich wartet. Es gibt also viel zu tun. Packen wir’s an. 😉