Manchmal wirkt ein Tag gezwungenermaßen auf der Nase liegen Wunder. Nachdem mich Kopfschmerzen und Kreislauf gestern effektiv in die Ringecke befördert haben, geht es zumindest mental wieder ein bisschen besser. Vielleicht war die erzwungene Ruhe das, was gefehlt hat. Das Wetter ist zwar schauderhaft und grau – also eher weniger gut für die Psyche, aber ich funktioniere wieder besser. Mein Hirn spinnt wieder Fäden.

Entsprechend habe ich gestern auch ein paar Seiten verbrochen – nicht in meiner normalen Form, aber immerhin besser als nichts. Lustigerweise treffen solch schlechte Phasen gerne mal mit schwierigen Buchstellen aufeinander. Da meine Charaktere gerade ihre Beziehung neu ordnen müssen, ist es schlicht und ergreifend auch da nicht so einfach.

Aber gut, Klippen sind zum Umschiffen da, also umschiffe ich. Viel anderes bleibt mir auch nicht übrig. Und wenn meine zwei Problemkinder damit fertig sind, ihre Problemchen zu überwinden – was innerhalb der nächsten paar Seiten passieren wird – geht’s wieder munter weiter.

Vorher wartet allerdings eine andere Aufgabe auf mich – Lucy wird frisch gemacht. Zu Deutsch: Da sie in den nächsten Tagen eine kleine Werbeaktion bekommt, werden Printausgabe und eBook ein wenig aufpoliert, damit sie auch in bester Form in Erscheinung treten kann. Vielleicht fällt mir auch ein frisches Cover ein, damit ich auch damit ein klares Statement setzen kann, von wegen Mantel & Degen. Mal schaun. Ich bin ein bisschen faul geworden, was Bilder angeht. Es wäre durchaus eine Idee, da mal wieder aktiver zu werden.

Lassen wir die schlechte Phase also einfach mal hinter uns. Es wird Zeit, die Nase wieder aus der dunklen, feuchten Höhle zu stecken und der Welt die Zähne zu zeigen.

Es ist mal wieder soweit. Ärger und Stress fordern ihren Tribut und machen sich in diversen körperlichen und geistigen Ausfallerscheinungen bemerkbar. Das Resultat ist eine kleine Blockade. Es ist nicht so, dass ich nicht wüsste, was ich schreiben soll. Aber ich bekomme es nicht zu Papier.

Das ist wahrscheinlich eine relativ natürliche Folge davon, wenn man sich für eine Weile übernimmt. Und natürlich wiegen in solchen Momenten Kritiken schwerer als sonst. Zweifel sind stärker, es ist nicht so einfach, den richtigen Weg zu finden. Streift man diverse Dinge normalerweise relativ schnell ab, kann man das in solchen Phasen nicht mehr.

Fakt ist – wer mit einem künstlerischen Produkt an die Öffentlichkeit geht, löst damit zwei Dinge aus. Ab sofort trägt er selbst einen Maulkorb, während er sich für die Kritik von allen anderen öffnet. Es ist nicht immer leicht, damit umzugehen. Das gilt insbesondere dann, wenn es eine emotionale Bindung an dieses Produkt gibt. Weil – bei aller Vernunft und aller Zurückhaltung, bei allem, was man tun oder nicht tun sollte und bei allem Achten auf die Auftritt nach außen – manchmal will man eben einfach nur schreien. Das lässt sich nicht abschalten. Menschliche Regungen vergehen nicht, nur weil man etwas veröffentlicht. Man wird leider nicht auf der Stelle zu einer emotionslosen Maschine, an der alles abprallt.

Die Umwelt sagt dann meist: „Nimm’s nicht so schwer“. Leider ist das nicht so einfach. Es gibt in Wirklichkeit kein „nicht schwer nehmen“. Es hinterlässt Spuren, ob man das nun will oder nicht. Es ist ganz lustig, aber manchmal sind tröstende Worte das allerletzte, was man hören will. Dann macht Schön reden alles nur schlimmer.

Bei mir schlägt sich das Ganze dann in Unsicherheit nieder. Ich merke, dass ich nicht mehr so frei schreibe wie früher. In Phasen wie diesen zweifelt man an jedem Satz, jeder Szene. Ist das jetzt zu romantisch? Ist die Szenerie zu langweilig? Hast Du da zu viel, da zu wenig? Hattest Du einen ähnlichen Satz nicht schon mal vor drei Kapiteln?

Natürlich ist es nahezu unmöglich, auf diese Weise zu arbeiten. Was bei mir normalerweise ganz natürlich fließt, stockt auf einmal. Das will ich nicht, aber abschalten geht gerade nicht wirklich. Natürlich macht sich dann die Angst breit, den laufenden Text zu verderben. In dieser Stimmung kann man nichts Gescheites auf die Seiten nageln. Aber aufgeben oder ein paar Tage beiseitelegen, ist auch nicht drin. Dann kommt man nur umso schwerer wieder in die Geschichte.

Es ist ein hässliches Dilemma, aus dem nur ein Weg wieder rausführt – in die Geschichte kommen, Szenen finden, die von allein laufen und damit dann auch alles wieder abstreifen. Allerdings finde ich diesen Weg momentan noch nicht wirklich.

Was tun? Der Blick in den Spiegel sagt: „Renn schnell und weit“. Da das nicht geht – wohin sollte ich auch vor mir selbst rennen? – muss wohl erstmal eine Kopfschmerztablette genügen. Und dann vielleicht Kuchen. Backen hilft ja normalerweise.

Da war sie wieder, diese kleine, unerwartete Stelle, die den Schlüssel für die ganze Geschichte darstellt. Es war nur eine kurze Begegnung zwischen Rhydan und einer geheimnisvollen Kreatur, geboren aus der Stadtbeschreibung von Elorean – dem Platz, an dem sich Neah und Rhydan gerade befinden. Da war ein Nebensätzchen in Neahs Gedanken, mehr nicht. Entstanden ist daraus Aerios, ein Halbgott, der sich nun mit seinen eigenen Interessen in das Geschehen einmischt. Denn auch dieser undurchsichtige Bursche hat ein tieferes (nein, nicht amouröses) Interesse an Neah.

Rhydan hat also eine plötzliche Konkurrenz für sein Vorhaben bekommen und die Geschichte das fehlende Element. Denn Aerios kann die ganze Sache genau dahin steuern, wo sie hinsoll und gibt einigen Dingen den Sinn, der bislang gefehlt hat.

So ganz klar war mir das nicht sofort. Aerios sollte zwar im Hintergrund Fäden ziehen und noch einen Auftritt bekommen, aber sich nicht konkret als Charakter in die Geschichte einmischen. Aber er hatte wohl andere Pläne – was für diesen launischen Gesellen kaum verwunderlich ist. Der Sohn einer Schicksalsgöttin lässt sich nicht einfach abfertigen. Eine kleine Sitzung mit Stift und Block hat es zutage gefördert und es ist ganz erstaunlich, wie gut er sich einfügt.

Ich frage mich, wohin das alles gehen soll. Manchmal habe ich ein bisschen Angst, dass diese Geschichte extrem lang und verschachtelt wird. Geplant war ein Umfang, der ca. dem von Feenblut gleicht. Allerdings ist da wirklich einiges, was bis zum Finale noch geschehen muss. Vielleicht ist die Sorge auch unbegründet – momentan habe ich nicht die geringste Ahnung. Das ist wohl das Problem, wenn man aus dem Gefühl heraus schreibt. Aber es ist schon ok – am Ende wird schon alles so hinkommen, wie es hinkommen soll. Ich vertraue einfach mal diesem Gefühl, das auch Viola und Benneit sicher nach Hause gebracht hat.