In jedem Buch gibt es den Augenblick, wenn es funkt. Nicht zwischen den Protagonisten (die sind später dran), sondern zwischen Autor und Buch. Bis dahin ist es immer reichlich schwierig und von jeder Menge Zweifeln durchwachsen.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie es bei Neah und Rhydan war. Ich war kurz davor, das Buch in die Ecke zu feuern und aufzugeben, als es Klick gemacht hat. Damals hat Rhydan die zeternde Neah über die Schulter geworfen und auf Charysar verfrachtet. Danach ist es einfach gelaufen. Bei Feenblut kann ich mich nicht mehr daran erinnern, aber nach den ersten zwei oder drei Kapiteln lief es auch da.

Auch diesmal war es wieder ähnlich. Ich habe gekämpft. Mal mehr, mal weniger. Ich wusste nicht, wie das weitergehen soll und ob das weitergehen kann. Ich habe mit den Protagonisten gerungen, hatte gute Zeiten mit ihnen, aber auch ganz üble. Und dann … dann hat’s einfach geklickt. Gestern, irgendwann nach einem Streitgespräch zwischen Aerios und Sylveine. Nein, zwischen den beiden knistert es momentan nicht wirklich, eher im Gegenteil. Trotzdem hat diese Stelle gereicht, um endlich den fehlenden Fluss in Gang zu setzen.

Natürlich werden auch hier wieder Probleme aufkommen. Jedes Buch ist von vorne bis hinten ein Kampf, bei dem man gelegentlich nicht mehr weiter weiß und kurz vorm Verzweifeln ist. Aber wenn es erst gefunkt hat, ist trotzdem alles anders. Ich bin mehr als glücklich, dass dieser Berg erklommen ist und sich endlich ein Weg abzeichnet.

Es ist jedes Mal der schönste Moment – wenn man das druckfrische, fertige Buch endlich in der Hand hält. Natürlich ist das fertige eBook nett (ich lese ja selbst fast nur eBooks) – aber trotzdem ist das Gefühl ein anderes. Da ist es also, mein drache_buch01kleines, rot-goldenes Buch. Es ist ca. genauso dick wie Feenblut (es hat letztlich tatsächlich ziemlich genau 10 Seiten mehr – da ging beim Setzen einiges verloren) und natürlich auch optisch daran angepasst. Und damit ist mein Weg mit dem Drachenkönig tatsächlich zu Ende.

Traurig, ja. Aber irgendwie auch schön, weil man das Ergebnis von 6 Monaten Arbeit in den Händen halten kann. Langsam taste ich mich in Richtung „neue Ufer“ vor. Ein neues Projekt liegt in meinem Schreibordner, ein frischer Buch-Cover Entwurf blinkt mir von dem Klemmbrett aus entgegen. Der Meister der Masken wartet auf seinen Auftritt – und nicht nur er: Eyras Töchter werden diesmal eine Rolle spielen und damit schließt sich der Kreis zu Feenblut. Diesmal muss noch ein bisschen tiefer in das Gefüge von Asmoria getaucht werden. Es wird Zeit, sich mit der Götterwelt zu befassen – kein Wunder, wenn ein Halbgott die zentrale Figur ist. Und sicherlich gibt es ein bisschen mehr „Artenvielfalt“ fern der Fey zu entdecken.

Momentan ist viel Hintergrund-Arbeit zu leisten. Bevor ich wirklich schreiben kann, muss einiges von den Charakterhintergründen her klar sein. Die Geschichte ist ein bisschen komplex – durch die Tatsache, dass es diesmal ein paar Charaktere mehr gibt, die wichtige Rollen einnehmen, ist schon im Vorfeld mehr zu überlegen. Das braucht Zeit, klappt aber an sich relativ gut. Hilfreich ist natürlich, dass ich auf ein paar Dinge zurückgreifen kann. Die Nadel des Schicksals scheint schon immer eine gewisse Rolle im Leben eines gewissen Halbgottes gespielt zu haben. Ich buddele also tief in seiner Vergangenheit und fördere einiges an brauchbaren Informationen zutage. Natürlich wird’s auch diesmal ein eigenständiges Buch werden. Aber der gemeinsame Rahmen bleibt bestehen und ist hilfreich dabei, Asmoria als Welt aufzubauen.

Nach wie vor fühle ich mich in meiner „kleinen“ Schreibwelt wohl. Ich entdecke lieber mehr von ihr, als ständig neue Welten zu entwickeln (ok, davon hätte ich theoretisch auch genug, wenn ich das wollte). Das muss auch nicht sein – die hier gibt noch so einiges an Geschichten her und ich bin wohl zu sehr Weltenbauer, um sie sofort gegen die nächste einzutauschen. An Ideen mangelt es nicht – da wäre ja z. B. auch noch Maeve – aber eins nach dem anderen.

6 Monate und dann war es ganz plötzlich vorbei. Der Drachenkönig ist an den Start gegangen und ich musste Abschied nehmen von Rhydan und Neah. Am Abend vorher, als die letzte Korrektur vorbei war, bin ich erstmal in das berühmte Loch gefallen. Vorbei. Was nun? Uff. Der Tag danach war allerdings mit so viel Arbeit gefüllt, dass ich gar keine Chance hatte, mich in diesem Loch zu suhlen. Wenn man den ganzen Tag im eBook Quellcode wühlt, ist da einfach nicht viel Platz im Kopf.

Und nun? Tja. Ich weiß nicht. Ein bisschen ängstlich, ein bisschen müde … auch ein bisschen stolz. Das neue Baby ist in die Welt entlassen und findet Leser. Ein neuer Teil von Asmoria kann bereist werden und auch vor mir liegt ein neuer Weg. Wohin der führt, ist ja nun bekannt. Es geht auf zu einer neuen Charakterdatenbank, die in den nächsten Tagen angelegt wird. In meinem Kopf stehen schon eine ganze Reihe Protagonisten fest. Auch die leicht gruselige Stimmung, die gerade wunderbar in die Jahreszeit passt. Es wird anders und so genau weiß ich noch nicht, wie das alles zusammenkommen wird – aber wann tue ich das schon? Das wusste ich bei Neah und Rhydan schließlich auch nicht.

Trotzdem tut der Abschied ein bisschen weh. Meine beiden Hauptfiguren sind mir sehr ans Herz gewachsen und auch Charysar, das bissige Drachenweibchen, wird mir fehlen. Aber so ist das eben beim Schreiben – die eine Geschichte endet, das nächste Abenteuer wartet schon. Es ist eine Mischung aus Melancholie und Aufbruchstimmung … und es ist gut so.