Man sollte wahrscheinlich nie genauer darüber nachdenken, was noch gemacht werden muss. Maximal 60 Seiten Korrektur pro Tag sind an – sehr – guten Tagen drin. An normalen eher 30 bis 40. So gesehen habe ich gerade bei Gang 1 noch stolze 160 Seiten vor mir. Also mindestens 3 Tage Arbeit. Bedenkt man, dass die gleiche Suppe noch einmal von vorne laufen muss, sind das wieder mindestens 10 Tage für Gang 2. Mindestens. Doppelt wäre es realistischer. Das kann schon unglaublich an der Motivation fressen. Vom Setzen und dann noch mal einem letzten Gang mit dem fertigen Buch reden wir da besser gar nicht.

Entsprechend bin ich ein wenig missmutig. Nimmt man noch die dauernden Kopfschmerzen + Übelkeit durch das wechselnde Wetter dazu, würde ich wirklich lieber den Kopf unter die Bettdecke stecken und gleich darunter bleiben.

Noch dazu hat mich die Korrektur auf zwei weitere mögliche Romanableger gebracht, die ich beide vom Ansatz her sehr interessant finde. Auf den einen hätte sich sicher am meisten Lust – aber ich glaube, ich sollte diese Geschichte trotzdem noch beiseite schieben, weil sie ein wenig düster ist und der Schauplatz gleich bleiben würde. Insgesamt macht das also schon vier Ideen, mit denen ich jonglieren muss und unter denen ich mich entscheiden darf. Gut, viele Ideen sind sicher besser als keine. Aber leider kann man schlecht alle gleichzeitig verwirklichen. Mein Kopf brummt also nicht nur, er schwirrt auch noch dazu. Alles in allem könnt’s deutlich besser laufen. 😉

Es hakt ein bisschen. Die Korrektur geht langsamer voran, als ich es mir wünschen würde. Die letzten Tage waren ziemlich chaotisch und entsprechend schleiche ich mich voran und schaffe maximal 40 Seiten am Tag. Dabei freue ich mich eigentlich schon auf das fertige Buch und es dürfte ruhig schneller gehen – leider tut es das nicht.

Dazu kommt, dass ich immer noch nicht 100% sicher bin, wie es danach weitergehen soll. Mein geplantes Sommerbuch ist nach wie vor in meinem Kopf. Offenbar so präsent, dass die Protagonisten heute Nacht in einem wilden Indiana Jones Abenteuer durch meinen Kopf gehüpft sind. Ich erinnere mich an gestrandete fliegende Schiffe, Göttersteine (was auch immer das sein sollte) und zugewachsene Tempel in einem dschungelartigen Wald. Erstaunlich – das ist nämlich nicht so das, was ich mir für dieses Abenteuer gedacht habe. Zumindest war es Grün … und Grün sollte es ja sein. 😉

Trotzdem … da ist immer noch Aerios im Hinterkopf und ich bekomme ihn nicht raus. Natürlich ist es – wie immer – schwer, sich von Charakteren zu lösen, mit denen man Monate verbracht hat. Aber das ist es nicht allein. Die Geschichte, die da noch rauszukitzeln ist, reizt mich. Genug, um mich ins Stolpern kommen zu lassen. Aber da spielt auch ein Fünkchen Angst mit, diese Geschichte zu erzählen, denn einfach wird es nicht werden. Und wahrscheinlich schreckt mich auch die Länge ab, die eine Aufsplitterung in so viele Schauplätze / Blickwinkel mit sich bringen würde.

Ich wünschte, ich könnte eine klarere Richtung erkennen. Stoff, der sich schon genügend manifestiert hat, um zu wissen: Das ist es. Aber der Weg hat sich noch nicht wirklich offenbart und ich bleibe im Schleudergang hängen. Schaun wir – vielleicht wird es besser, wenn ich mit der Korrektur durch bin. Vorher gibt es ja ohnehin nix Neues.

Momentan geht alles viel zu langsam. Die Korrektur schleicht voran, mein Kopf ist arg voll und der wechselhafte Frühling hilft auch nicht unbedingt, es besser zu machen. Gerade mal etwas über 35% vom ersten Durchgang sind geschafft. Das ist nicht sonderlich viel und ich habe das Gefühl, auf der Stelle zu treten.

Es liegt nicht am Text. Ich finde wenige Fehler, es gibt wenig Streichpotenzial – hier und da ist ein Dialog nicht ganz schlüssig, dort ist mal ein Satz unsauber, aber es gibt wenig, was wirklich Zeit frisst. Dafür gab’s eine ganze Menge Ärger drumherum. Nicht zuletzt, als die nagelneue Schreibmaschine nach knapp über einer Woche Probleme mit dem WLan Empfänger bekommt und zurückgeschickt werden muss. Das hat aufgehalten – man probiert ja erstmal alles aus, bevor man erkennen muss, dass es wohl im Eimer ist. Und es sorgt natürlich selten für gute Laune, wenn ein neues Gerät sofort einen Fehler serviert.

Dann war da natürlich noch die Sache mit dem Cover. Wie immer lag das seit Tag 1 des Schreibprozesses parat. Aber es hat einfach nie so richtig gepasst. Sylveine wirkte nicht gerade wie eine Fey – eine schlachterprobte Walküre hat sich da eher als Vergleich aufgedrängt. Teilweise lag das an ihren nicht gut passenden Klamotten, dann wieder am Hintergrund, der zu romantisch war. Also habe ich fast jeden Tag an dem ersten Entwurf geschraubt, immer wieder probiert, weil ich ihn nicht verwerfen wollte – bis ich doch alles komplett neu gemacht habe.
Jetzt habe ich ein ganz anderes Cover. Viel besser als der erste Entwurf, viel mehr Sylveine, mehr dieses Buch. Aber der Weg war weit und steinig. Und er hat Zeit gefressen.
Natürlich musste auch das sein – ohne Cover kein Buch. Aber trotzdem hat man das Gefühl, nicht voran zu kommen, weil man sich in Kleinkram verliert.

Sei’s drum. Auch der Kleinkram gehört dazu. Und nun heißt es einfach, Scheuklappen auf und voran, bis die Korrektur abgeschlossen und das Buch gesetzt ist. Anders geht es eben nicht.