Das grüne Buch ist ein kleiner, mieser Drecksack. Davon abgesehen, dass es die angepeilte Seitenzahl schon um gute 100 Seiten überschritten hat, ist es selbst mitten im Finale noch wehrhaft und zickig. Da steht er nun, Tristeyn, der Held, irgendwo mitten im Herz der Finsternis. Und ich habe nicht die geringste Ahnung, wie ich das Kind nach Hause bringen soll.

Fest steht – es wird ein paar Seiten mehr bekommen als Meister der Masken. Bis ich mit dem Finale durch bin und das Ende komplett abgehandelt ist, sind sicherlich noch ein paar Sätze zu schreiben. Gegen Ende ist mal wieder alles zum Tragen gekommen, was ich mir unterwegs vorgestellt habe, auch wenn es an anderen Stellen passiert ist. Die Logiklücken sind größtenteils geschlossen (der Rest wird bei der Korrektur noch zugemauert) und letztlich könnte ich ganz zufrieden sein. Wenn da nicht immer noch das dumme Finale wäre.

Teil 1 der großen End-Show war an sich schon anstrengend genug, aber trotz aller Gegenwehr habe ich ihn irgendwann an die Wand gekettet und erledigt. Die Weichen wären also gestellt und der große Knall dürfte nun langsam in die Gänge kommen. Aber natürlich ziert er sich. Nicht ganz unschuldig sind ein paar dicke gesundheitliche Problemchen, die mich die halbe Woche effektiv mit einem lahmen Denkvermögen in die Ecke befördert haben. Die Ausläufer sind immer noch nicht ganz verschwunden und hemmen den Schreibfluss unschön. Aber es nutzt nichts. Irgendwie muss auch dieser verflixte Rest auf die Seiten.

Also haben Tristeyn und ich gerade durchaus einiges gemeinsam. Er hat seinen Kampf vor sich und ich habe meinen. Und am Ende steht hoffentlich ein dicker grüner Wälzer, der unseren gemeinsamen Kampf in die Welt hinausträgt.

In diesem Sinne – ran an die Tasten. Es wird Zeit.

Es ist nicht einfach, geduldig zu sein. 500 Seiten sind überschritten und das Finale kündigt sich nun wirklich an. Die letzte Etappe des Weges hat begonnen, und obwohl ich nichts davon sehen kann, muss ich nun wohl weitergehen. Lustigerweise weiß ich relativ genau, was NACH dem Finale kommen wird. Und das ist durchaus noch eine Menge. Aber das Finale an sich ist diesmal ein kleines bisschen störrisch. Es versteckt sich in irgendeiner lauschigen Ecke und streckt mir die Zunge heraus.

Also ermahne ich mich zur Geduld. Einfach weiterschreiben, abwarten. Es wird sich schon irgendwann zeigen. Es muss ja schließlich. Die Reisegruppe für die letzte Etappe ist zusammengekommen und wieder ist die Zusammenstellung anders als erwartet. Zwei Charaktere haben sich unterwegs um der Logik willen verabschiedet und nun stehe ich mehr oder weniger wieder mit Lyân und Tristeyn alleine da, obwohl ich das sicher nicht wollte. Wobei sich das erst noch entscheiden wird. Noch ist es offen, ob noch jemand dazukommen wird. Nein, es ist nicht Meister der Masken – es ist nicht ganz so störrisch gewesen, aber gegen Ende bemüht es sich redlich, mich doch noch in den Wahnsinn zu treiben. Aber gut. Da müssen wir beide durch – die Geschichte und ich.

Entsprechend werde ich jetzt meinen Papyrus für heute zuklappen und tief in mich gehen. Irgendwo dort muss die zündende Idee versteckt sein. Der kleine Satz, der alles ins Rollen bringt. Also schnappe ich mir die Peitsche und gehe auf die Jagd …

Bei Temperaturen, die in Richtung 40 Grad schwanken, ist es nicht unbedingt einfach, sich sinnvollen Text aus dem Hirn zu quetschen. Folglich muss morgens der Großteil auf die Seiten fließen, weil es im Tagesverlauf irgendwann nicht mehr möglich ist, klar zu denken. Die letzte Nacht hat mich zum Zombie mutieren lassen und den Antrieb gleich mitgenommen. Folglich versuche ich, meine Gedanken irgendwie zu sortieren, damit es weitergehen kann. Noch will es nicht so wirklich.

In Richtung 500 Seiten sollte das Ziel nun langsam in Sicht kommen. Es kündigt sich an, aber es ist unmöglich zu sagen, wie viel tatsächlich noch zu schreiben ist. Von 50 bis 100 Seiten ist wahrscheinlich alles drin.
Da ich immer noch meine Probleme habe, den klaren Verlauf zu sehen, ist es eine seltsam offene Angelegenheit. Einen Teil der Probleme habe ich zwar unterwegs gelöst, aber das große Finale ist mir noch durchaus schleierhaft. Wie immer haben sich unterwegs Querverbindungen zu den anderen Romanen gebildet. Nicht zuletzt zu Aerios’ Geschichte, wobei das Geschehen um Thassra noch in weiter Ferne ist.

Natürlich schleichen sich auch Gedanken ein, wie es danach weitergeht. Optionen gibt es genug, an der Entscheidung mangelt es allerdings. Der Weg zurück nach Elorean wäre denkbar, hin zu Lucian und einer ganz anderen Geschichte mit sehr exotischen Anklängen, die in seiner Vergangenheit wurzelt. An Ansätzen dafür fehlt es nicht, sogar das erste Kapitel liegt in meinem Kopf parat und ich würde es nur zu gerne schreiben. Eben weil es anders ist.
Aber auch andere Möglichkeiten sind da. Momentan weiß ich noch nicht so genau, wo es weitergehen soll, aber gut, wie immer wird das die Zeit zeigen. Zuerst muss dieses Schiff endlich in den Hafen fahren … und solange es sich eifrig dagegen wehrt, kann das noch ein bisschen dauern.