… und das ausgerechnet mitten in der Zeitumstellung. Entsprechend bin ich hundemüde und kaputt. Aber es hilft nichts – das Buch will fertig werden.

Gestern Abend habe ich das Finalkapitel begonnen und Benneit an seinen Zielort verfrachtet. Das ging erschreckend flüssig, aber ich habe Zweifel daran, dass es nun so flüssig bleibt, da der Perspektivwechsel ansteht und Viola im Herz des Geschehens das Ruder übernimmt.

Gerade ist alles noch schrecklich vernebelt und das liegt nicht allein daran, dass meine Augen heute ein wenig spinnen. Ich habe keine Ahnung, wie sich alles entwickeln wird. Wohl eine schwache Vorstellung, aber darüber hinaus ist alles offen. Es ist keine Frage, dass die Arbeit daran in den nächsten Tagen ziemlich hart wird. Aber das ist relativ egal, da muss ich nun durch.

Es ist jetzt eine Mischung aus Action und Drama, Enthüllungen und rührenden Szenen, die auf dem Programm steht. Langweilig wird es mir also sicher nicht. Schaun wir, wohin es letztlich führen wird.

Die Zeit des Abschieds rückt näher – zumindest, wenn man sich auf den reinen Schreibprozess beschränkt. Das hinterlässt ebenso Traurigkeit wie auch Aufregung. Ich weiß nicht, wie lange genau ich noch brauchen werde, aber zwischen einer Woche und 14 Tagen ist wohl alles möglich. Natürlich wäre es auch im Bereich des Möglichen, dass es noch etwas länger dauert, aber ich bin im Augenblick ganz optimistisch.

Allerdings habe ich keine Ahnung, wie sich die restlichen Seiten noch entwickeln werden. Es gibt diesen magischen Moment, in dem die Protagonisten tatsächlich das Steuer übernehmen. Dann denkt nicht mehr der Autor über das nach, was sie sagen oder tun. Es fließt von allein auf die Seiten. Spontan, so als ob sie selbst zu reden beginnen. Das Gefühl ist wohl ähnlich, als wenn man ein Diktat aufschreibt. Plötzlich sind die Worte wie aus dem Nichts da. Das ist seltsam und ein bisschen gruselig, als ob diese Menschen in Dir leben und Dir etwas erzählen.

Das Wiedersehen von Viola und Benneit enthält einen solchen Moment und entsprechend ist das sehr emotional. Für alle Beteiligten inklusive meiner Wenigkeit, die ihnen dabei über die Schulter sieht.

Jetzt, da das Ende der Geschichte so nah ist, bemerke ich plötzlich auch, dass ich mich auf eine Rückkehr zu Lukrezia und Andrea Luca freue. Es ist eigentlich das erste Mal, dass mir das passiert und seltsamerweise lösen sich nebenbei auch einige Fäden in dieser Geschichte auf. Wieder zum Mantel & Degen Genre zurückzukehren ist verlockend und genau das war eigentlich das Ziel dieser „Übung“. Ich wollte mich frei schreiben, damit ich mit klarem Kopf und mehr Selbstbewusstsein an die „alte“ Geschichte gehen kann. Das hat funktioniert – was ich nicht erwartet habe, war, wie sehr mir Ben und Viola dabei ans Herz wachsen würden. Diese als kurz geplante „Ich schreibe mich frei“ Erzählung ist erwachsen geworden. Sie steht für sich allein, sie zieht vielleicht irgendwann ein Folgebuch nach sich. Es ist mehr, als ich jemals erwartet hätte, als ich mich an diesem Dezembertag 2013 an den Computer gesetzt habe, um sie zu beginnen.

Es gibt kein besseres Mittel gegen eine Schreibblockade, als eine lange Dusche. So merkwürdig das klingt – wenn ich nicht mehr weiter weiß und alles im Nebel liegt, stellt sich die Erleuchtung wahrscheinlich unter der Dusche ein. Es ist wohl kein Wunder, dass Lukrezias Magie auf Wasser beruht. Dieses Phänomen scheint auch in mir verankert zu sein, obwohl ich absolut kein Wasser-Wesen bin. Als Steinbock bzw. Erd-Ziege habe ich nun wenig mit einem Fisch gemein. Trotzdem – heißes Wasser hilft enorm.

Endlich lösen sich auch die letzten Fäden. Wenn ich die ganze Zeit noch unsicher war, wie das Finale aussehen muss bzw. wie der genaue Hintergrund sein wird, hat sich dies nun dank der Dusche offenbart. Ich weiß endlich, wie ich alles zusammenführen muss. Zwar habe ich noch keine Ahnung, wie es letztlich passieren wird, aber auch das zeigt sich sicher bald. Da sich ohnehin mit jeder Seite wieder etwas ändert, kann ich das sowieso noch nicht planen.

Das Buch bekommt momentan seine letzten Seiten. Das Ende ist eingeleitet und auch wenn mich noch ein paar Szenen davon trennen, wird es zweifelsohne bald soweit sein. Benneit darf momentan eine eher Action-haltige Szene bestreiten und die Wiedervereinigung steht kurz bevor. Und damit natürlich auch der große Knall.

Eine meiner Protagonistinnen schwebt gerade ein wenig in Lebensgefahr. Ich weiß immer noch nicht, ob sie das Finale überleben wird. Eigentlich sollte es schon in der laufenden Szene geschehen, aber das Buch entwickelt mal wieder einen eigenen Kopf und jetzt bin ich mir nicht sicher, ob es überhaupt dazu kommt. Jedenfalls sicherlich nicht ohne Sinn und der würde aktuell fehlen.

An sich ist es eine spannende Phase für mich. Ich versuche, kontinuierlich meine 4 Seiten pro Abend zu schreiben (ca. 6 Buchseiten) und für den Augenblick gelingt das auch ganz gut. Allerdings bin ich sicher, dass ich vor dem Schluss noch hier und da ins Stocken geraten werde … alles andere wäre ein halbes Wunder.