Edit: Hups, meine Blogüberschriften können kein „ß“. Interessant.

Die letzten Wochen waren arbeitstechnisch wohl ein bisschen viel. Entsprechend zwingt mich mein Körper dazu, eine Arbeitspause einzulegen, um wieder auf die Beine zu kommen. Für mich bedeutet das momentan, dass die Erreichbarkeitskanäle geschlossen sind und ich ein paar Tage nur mit der Buchkorrektur verbringen werde. Ein komisches Erholungsprogramm, ja. Aber wenn das aus dem Kopf ist, wird es mir wieder ein Stückchen besser gehen.

Im Augenblick sind 28 Kapitel fertig korrigiert und gesetzt, was immerhin einen korrigierten Umfang von 304 Seiten bedeutet. 12 Kapitel und ein Epilog warten noch auf mich und diesen werde ich mich jetzt in aller Ruhe widmen, bevor dann noch mal über das ganze Buch gelesen wird, um eventuelle Unreinheiten aufzuspüren.

12 Kapitel klingt erstmal nicht sooo schrecklich viel, aber die sind zu einem großen Teil doppelt so lang wie die Kapitel des ersten Teils. Um die 170 Seiten habe ich also noch vor mir.

Danach kommen noch so kleine Nettigkeiten wie der Entwurf einer gescheiten Buchbeschreibung. Das macht mir etwas Kopfschmerzen, weil darin möglichst nicht zu viel verraten werden sollte und das ist hierbei recht schwer. Aber auch diese Hürde wird zu umschiffen sein.

Die Zielgerade liegt also schon erkennbar vor mir. Jetzt muss ich nur noch irgendwie darüber kommen.

Wenn ich mich gerade über eines nicht beklagen kann, dann sind das mangelnde Ideen. Davon bekomme ich ungebeten jede Menge. Allein das Korrekturlesen reicht stellenweise schon, damit wieder ein ganzer Sturzbach lossprudelt und so könnte ich mühelos zwei Romane mit den unabhängigen Geschichten der Nebenfiguren füllen und noch ein ganzes Weilchen in der Feenwelt bleiben.

Momentan führt mich eine davon ganz arg in Versuchung und ich würde mich nicht so sehr wundern, wenn sie am Ende das Rennen macht. Womöglich ist mir momentan eher nach Fantasy als nach Mantel & Degen. Allerdings hängt das von diversen Komponenten ab – unter anderem davon, ob das ganze Szenario eine Leserschaft findet. Ich werde mich also noch auf nichts festlegen, aber die Ideen sicherheitshalber alle festhalten. Wahrscheinlich brauche ich langsam mal ein Notizbuch für diese Ideen, damit ich die am Ende nicht doch noch vergesse, weil sie in meinem Block untergehen.

Schreiben könnte ich also gerade tatsächlich den ganzen Tag. Natürlich geht das nicht, und solange ich mit der Nase in der Korrektur stecke, ist da ohnehin nichts drin. Erfreulich ist es trotzdem – wenn da nicht ein ganzer Schwanz von Entscheidungen dranhängen würde. Ein Buch schreibt sich nicht in drei Tagen. Also muss man am Ende wohl sorgsam abwägen, wem man den Vorzug gibt und welche Geschichte wohl für den Augenblick diejenige ist, die man wirklich über Monate umsetzen möchte.

Die Zweitkorrektur verläuft mühselig. Da in der Erstkorrektur die uneleganten Stellen abgeschliffen worden sind, geht es jetzt wirklich darum, jedes einzelne Wort zu sehen und das geht auf die Augen und an die Substanz. Mehr als zwei Kapitel pro Tag sind nicht drin und der Prozess zieht sich endlos und ist sehr anstrengend. Es ist erstaunlich, was bei einem ersten Gang so alles übersehen wird – da fehlen Wörter, da sind Buchstaben falsch – es ist wirklich erschreckend. Natürlich sind die nicht offensichtlichen Fehler das große Problem. Die „echten“ Fehler hat Papyrus ja alle schon vorab ausgesiebt.

Dazu kommt die große Frage, wie’s danach weitergehen soll. Momentan ist alles offen. Ich bin noch nicht sicher, ob es der zweite Teil von Lukrezia wird. Nach langer Überlegung habe ich mich dagegen entschieden, das Buch zu zerhacken, nur damit es früher rauskommen kann. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass so was nicht viel bringt und ich bringe es auch nicht übers Herz, etwas Komplettes in Teile zu zerstückeln. Vor allem hat mir der „Spiegel“ schon gezeigt, dass man nie so genau sagen kann, ob vorne nicht doch noch was geändert werden muss. Wer also sein Buch teilt, bevor es zu Ende geschrieben ist, ist verdammt mutig oder sehr davon überzeugt, keine Fehler zu machen. Beides trifft in diesem Fall nicht auf mich zu.

Was mich momentan davon abhält, das Projekt wirklich anzugehen, ist die Tatsache, dass im „alten“ Buchbereich sehr viel geändert werden muss. Rein sprachlich ist da nicht alles im grünen Bereich und es ist natürlich nicht so einfach, etwas, das man vor 10 Jahren geschrieben hat, dem heutigen Standard anzupassen. Bei Teil 1 war das durch die Überarbeitung von 2009 etwas anderes. Da war viel ausgesiebt, auch wenn es durchaus noch genug zu tun gab.

Natürlich ist es verführerischer, da etwas Neues anzugehen und die Energie in Dinge zu stecken, die eher dem heutigen Stand der Entwicklung entsprechen. Aber ich weiß, dass mir das angefangene Buch keine Ruhe lassen wird, bis es geschrieben ist. Es ist also eine Entscheidung, die mir absolut nicht leichtfällt und die ich dann wohl ganz spontan treffen werde. Ich weiß gerade, wo ich in einer extrem mühsamen Korrektur bin, auch wirklich nicht, ob ich gleich schon wieder Lust auf die nächste Groß-Korrektur habe …