Manche Kapitel sind störrischer als andere. Jedes Buch hat seine eigene „Silberlilie“ und auch diesmal ist es nicht anders. Allerdings ist es weniger das Enthüllen von Hintergründen, das diesmal hakt – das ist größtenteils schon vorher häppchenweise geschehen. Es ist das einleitende Kapitel in die finalen Geschehnisse.

Es kommt selten vor, dass ich ganze Szenen oder Kapitel umschreiben muss. Diesmal war es wieder so weit und ich habe es gehasst. Wahrscheinlich hätte ich nicht gegen mein Gefühl gehen sollen. Ich wusste schon lange, dass Erotik keinen wirklichen Platz in dieser Geschichte hat. Als sie dann doch in die Zeilen gerutscht ist, musste ich leider erkennen, dass ich mit meiner anfänglichen Tendenz richtig gelegen habe. Das Kapitel war viel zu flach. Also – Erotik raus, mehr Gefühl in die Zeilen pumpen, damit es auch so richtig schön wehtut.

Aber dabei ist es nicht geblieben. Auch andere Teile haben einfach nicht recht passen wollen. Die Richtung war am Ende unklar und ich habe Szenen jonglieren müssen, um dann doch auf die ursprüngliche zurückzugreifen. Das war frustrierend und hat mir natürlich einiges an schlechter Laune eingetragen.

Ich bin auch jetzt noch nicht sicher, ob alles passt oder ob ich noch an dem Kapitel schrauben muss. Trotzdem geht es weiter voran. Das Ende zeichnet sich ab. Ich weiß noch nicht genau wie und was, aber das wird sich zu gegebener Zeit sicherlich zeigen. Wann wäre es jemals anders gewesen?

Was sich allerdings noch stärker abzeichnet, ist die Geschichte, die hinter dieser Geschichte vergraben liegt. Es ist schon beinahe beängstigend, wie stark sich ein Nachfolger aufdrängen will – der ausgewachsene Fantasy-Roman, der sich immer deutlicher herauskristallisiert. Ich habe die Protagonisten, ich habe den Aufhänger … Lust hätte ich auch. Aber ich weiß, dass momentan vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt dafür ist. Sicher wäre es eigenständig, aber ich befürchte, wenn ich damit anfange, ist es nicht mit einem Band getan. Aerios und Sylveine wären nicht die einzigen Charaktere, die hier die Hauptrollen spielen würden … es ist … schwierig.

Aber das ist vor allem Zukunftsmusik. Für den Augenblick ist es dieses Buch, das fertig werden soll. Und auch wenn mein Kopf gerade dank Müdigkeit und Kopfschmerzen hakt, werde ich gleich daran gehen, es weiter in die richtige Richtung zu schubsen.

Langsam aber sicher glaube ich, dass ich mich auf der Zielgeraden befinde. Ich bin bei über 350 Seiten angekommen, und wenn der Umfang dem der Vorgänger ähnelt, dann habe ich noch gut 150 Seiten zu schreiben. Das würde auch in etwa zu dem Geschehen passen, das noch abgehandelt werden muss. Die Mitte des Buches liegt jedenfalls hinter mir. Das ist sicher.

Im Grunde hat sich nichts daran geändert, dass die Geschichte regelmäßig meine Pläne über den Haufen wirft. Ich kämpfe nicht dagegen an. Die Entwicklung ist im Normalfall besser als das, was ich vorhatte. Einige Stellen waren emotional ziemlich fordernd. Es hat sich gerade in den letzten Kapiteln vieles aus der Vergangenheit der Protagonisten offenbart, was durchaus grausam war. Und auch Aureanne, die im Verlauf der letzten Seiten etwas ins Abseits geraten war, hat sich wieder ins Spiel gebracht.

Eine recht faszinierende Tatsache ist, dass die Hauptakteure wie Spiegelbilder wirken. Manche in ihren Unterschieden, andere in ihren Gemeinsamkeiten. Sylveine und Aureanne sind sehr unterschiedliche Charaktere. Die eine selbstsüchtig, den schönen Seiten des Lebens zugetan. In Prunksucht und Luxus zuhause. Die andere hat genau dieses Leben hinter sich gelassen, kümmert sich vielleicht mehr um andere als um sich selbst und bereut bitter, dass sie ihre Selbstsucht einmal hat überwiegen lassen. Auch Aerios und der Schurke – Damiras – sind gewissermaßen ein Spiegelbild des anderen. Der eine will sterben, der andere sucht das ewige Leben. Die Lösung ist für beide die Gleiche.

Ähnlich ist es um Gemeinsamkeiten bestellt. Sowohl zwischen Aerios / Sylveine als auch Aerios / Aureanne. Das war nie geplant, sondern hat sich beim Schreiben ergeben. Es ist spannend, das zu entdecken und zu ergründen. Und es gibt wahrscheinlich schon den Hinweis darauf, dass in Aerios‘ Brust zwei recht unterschiedliche Seelen schlummern.

Momentan bin ich am zufriedensten, wenn ich den ganzen Tag ungestört schreiben kann. Das ist ein großer Luxus, der unerwartet gekommen ist. Und auch wenn ich mich abends oft fühle wie ein ordentlich ausgewrungener Waschlappen, so ist es doch eine Art von zufriedener Erschöpfung. Für den Augenblick bin ich glücklich mit dem Buchverlauf. Ich habe mich damit ausgesöhnt, dass es kein Drachenkönig 2 ist (so sollte es ja auch sein) und bin gespannt, wie lange ich noch in Aerios‘ Leben herumstochern darf. Eines ist dabei schon jetzt sicher – wenn es Zeit ist, von dieser Geschichte Abschied zu nehmen, wird es auch diesmal schrecklich schwer werden.

Tja, manchmal kann man machen, was man will – offensichtliche Dinge fallen erst zu einem Zeitpunkt auf, an dem das wirklich unangenehm werden kann. So auch diesmal wieder – eine dämliche Logiklücke hat mich jede Menge Schreibstunden gekostet. Ich war das ganze Wochenende damit beschäftigt, die Stellen zu finden, die geflickt werden mussten und der Text ruht seitdem. Bei über 300 Seiten ist das Lücken suchen auch nicht mehr ganz so angenehm. Dialoge mussten umgeschrieben werden, Textstellen gestrichen oder erweitert werden. Kurzum – verdammt unangenehm und zeitraubend die ganze Angelegenheit.

Dabei war der Wochenanfang wirklich großartig. Die Geschichte ist geflossen und hat sich entwickelt, die Steinchen sind an die richtigen Stellen gerutscht und ich hatte dieses wunderbare Hochgefühl, das man eben hat, wenn alles gut läuft. In solchen Momenten weiß man, dass man „richtig“ ist. Man tut, was man liebt, es fließt und die Laune ist dadurch auch bestens. Leider war es nicht von Dauer – ich hatte ab Mitte der Woche noch eine andere Kleinigkeit zu erledigen und seitdem war ein bisschen der Wurm drin.

Trotzdem geht es stetig voran. Aerios und Sylveine haben sich im Januar 200 Seiten in die richtige Richtung bewegt. Ich denke, die Buchmitte habe ich hinter mir und nun werden die Weichen für den Rest gestellt. Noch immer neigt die Geschichte dazu, mich öfter zu überraschen. Manchmal erstaunt es mich, wie anders das alles gelaufen ist, als ich es ursprünglich gedacht hatte. Beinahe jede Szene geht anders aus, als ich es mir vorgenommen habe. Die Eigendynamik ist diesmal also wirklich erstaunlich.

An den guten Tagen merke ich, wie ich mich langsam – wieder – daran gewöhne, tagsüber zu schreiben. Es fällt mir mittlerweile leichter, mich einfach an den Computer zu setzen und loszulegen. Nichts anderes blockiert mehr den Kopf, äußere Einflüsse werden minimiert und habe ich das gute Gefühl, in diesen neuen Ablauf reinzuwachsen. Inzwischen habe ich auch meinen Arbeitsplatz ein bisschen auf die neue Situation umgestellt. Meine schmale, kleine Tastatur ist einem komfortablen Brocken gewichen, der eine bequeme Handablage hat und mit dem ich deutlich schneller schreiben kann. Abends bin ich dann zwar meistens erschlagen – schreiben ist tatsächlich relativ anstrengend, wenn man täglich viele Seiten in die Tasten haut – aber es fühlt sich gut an.

Neue Ideen entstehen nebenbei. Wenn ich dieses Buch fertig habe, werde ich eine kleine Abwechslung brauchen. Asmoria als hochmagisches Land bringt oft sehr eigene Herausforderungen mit. Ich denke, danach werde ich ein wenig nach Terra Edea zurückkehren – in die von Menschen dominierte Urwelt – und ein bisschen Zeit an einem Ort verbringen, in der es noch Türknäufe und Schlüssellöcher gibt. Wenn jedes Türen öffnen zu einer mittleren Herausforderung wird, weiß man auch die Einfachheit wieder zu schätzen. 😉