Es ist ein ganz neues Gefühl – ich habe tagsüber Zeit zum Schreiben. Tja. Eigentlich ganz wunderbar, wenn mein Kopf das realisieren und annehmen würde. Stattdessen sitze ich dumm vor meinem offenen Papyrus und leiere mir Dialogfetzen aus dem Kreuz.

Im Grunde weiß ich gerade relativ genau, wo ich hin will. Ich steuere auf das Finale zu, Lösungen liegen einigermaßen brauchbar auf der Hand, die Szenerie auch. An der Umsetzung hapert’s allerdings. Es will nicht rauskommen. Gestern Abend wär’s vielleicht irgendwann gegen 22 Uhr passiert – dummerweise genau da, als mein Akku aufgegeben hat.

Es ist … frustrierend. Dabei würde es an und für sich gar nicht schlecht laufen. Neah und Aerios sind momentan auf dem Weg zum Zielort (ja, Neah und Aerios, nicht Neah und Rhydan) und ich habe eine gute Gelegenheit, Aerios ansatzweise zu erklären. Etwas, wozu ich bislang noch keine Gelegenheit hatte. Es ist also eine wichtige Szene, die jetzt ansteht – eine Szene mit relativ viel Action. Nur der vorher ablaufende Dialog hakt ein wenig.

Dafür sammle ich schon fleißig Ideen für den nächsten Band aus der Feenwelt. Die Protagonisten treten aus dem Nebel und ich bin mir relativ sicher, dass Aerios die tragende männliche Figur sein wird. Wenn ich mit ihm fertig bin, wird er einen ganz guten Hintergrund liefern. Zudem ist er weder Benneit noch Rhydan ähnlich. Ein egoistischer, machtverwöhnter Halbgott, der ein paar Knüppel zwischen die Beine bekommt – und lernen wird, dass man vorsichtig sein sollte, wenn man sich etwas wünscht.

Es ist eine Abwechslung, die auch mal ganz gut sein wird. Der ritterliche Ben mit der Tendenz zur Selbstaufgabe, der doch immer noch edle Drachenkönig Rhydan – Aerios ist ein Kontrast dazu. Er ist kein Held, kein „sauberer“ oder auf den ersten Blick sympathischer Charakter. Er ist eine Schattengestalt – und auch sein Umfeld ist nicht gerade romantisch. Er lebt in einer Unterwelt, in der es nicht zimperlich zugeht, und ist eben auch selbst nicht zimperlich. Es bietet einige neue Ansatzpunkte und stellt auch sicher, dass es nicht zu einer Wiederholung von Heldenschema F kommt.

Ich freu mich also darauf – auch wenn das alles noch sehr vage ist und ich natürlich erst die Geschichte dazu finden muss. Wenn das aber klappt, steht Aerios‘ Geschichte und einer Rückkehr nach Asmoria nicht viel im Weg.

Es war mal wieder Zeit für die berühmte auswegslose Situation. Das kommt immer dann, wenn man zu sehr verkopft, weil man wiedermal denkt, dass man es jedem recht machen muss. Es hat also wieder mächtig geklemmt. Ich bin kein Stück weitergekommen und habe tagelang mit Zettel und Block bewaffnet versucht, der Lösung auf die Spur zu kommen. Am Ende war es aber wiedermal recht einfach.

Diesmal hat’s Aerios getroffen. Er ist ja nun ein merkwürdiger Zeitgenosse. Halbgott, gelangweilt, launisch. Ein bisschen verrückt vielleicht. So handelt er eben auch. Er tut Dinge, um zu sehen, was daraus wird. Er tut manchmal auch Dinge, die sich nicht unbedingt erklären lassen – weil er eben so ist. Nun dachte ich mir aber: „Hey, so kannst Du den nicht auf die Welt loslassen!“ Entsprechend habe ich verzweifelt versucht, sein Tun (das von seiner Warte aus ja durchaus erklärbar ist), mit einem logischen, vernünftigen Grund zu garnieren. Das konnte nicht funktionieren. Aerios ist nicht logisch. In einem langen Gespräch habe ich dann Ursachenforschung betrieben und das Ergebnis war relativ deutlich: Er ist ok so. Er ist eben genau das – nicht ganz dicht. Da sollte man nicht anfangen, seine Aktionen bis ins Detail auseinanderzunehmen. Das kann am Ende nur in die Hose gehen.

Nachdem das endlich klar war, ging es auch weiter. Tatsächlich nehme ich an, dass die Geschichte auf ihr Finale zusteuert. Mit nun nahezu 400 Seiten kündigt sich das deutlich an. Es kann da nun auch kein langes Geplänkel mehr geben, weil die Zeit für Rhydan drängt. Es ist zwar noch vieles offen – diesmal muss ich sicher nach dem großen Knall auch noch mal ran und einige Kapitelchen danach anfügen, aber das ist ok. Die Geschichte ist eben so.

Auch diesmal wird es nicht leicht werden, Rhydan und Neah gehen zu lassen. Besonders Neah ist mir – nach unserem schweren Start – sehr ans Herz gewachsen. Vielleicht, weil wir beide gewissermaßen eine ähnliche Lebensphase durchleben. Rhydan natürlich nicht weniger. Und das ist gut so, denn wenn’s nicht schwerfallen würde, wäre irgendwas mächtig in die Hose gegangen.

Für das „Danach“ wäre auch schon ein Held gefunden … es könnte also in der Feenwelt weitergehen. Schaun wir mal.

Manchmal erlangt man auf verschlungenen Wegen ganz interessante Erkenntnisse. So habe ich gestern Morgen über die Frage sinniert, wie stark ich dem Jugendbuch-Segment verhaftet bleiben sollte. Sprich: Es ging um die Sache mit der Erotik. Wie weit, wie viel, wie explizit, wann kommt eine Abblende? Eine Antwort darauf habe ich nicht sofort gefunden. Dafür aber eine Antwort auf etwas ganz anderes – nämlich auf die, was ich eigentlich für eine Sorte Bücher schreibe.

Vor einer Weile habe ich ja schon mal ernsthaft darüber nachgedacht. Heute ist alles so ein bisschen anders als früher. Es gibt einerseits epische Fantasy, andererseits Vampirromane, Urban Fantasy, Romantic Fantasy. Es hat alles ein eigenes Label und keines davon passt mir.

Als ich aber über die Erotik nachgedacht habe, bin ich auf die erste Erotik-Szene gekommen, die mir damals als Teenie untergekommen ist. Ich war so an die 16 und es waren die Nebel von Avalon. Die Nebel von Avalon, Marion Zimmer Bradley, 90er Jahre … Klick! Oha. Ich bin ein typisches Kind der 90er. Und meine Bücher sind wohl ein Resultat davon. Die sind eben nicht wie Bücher aus dem Jahre 2014, sondern wie das, was mich geprägt hat – die Fantasy der 90er. Und das ist gut so.

Damals war das alles bei uns weniger mit eindeutigen Labeln versehen. Es war alles Fantasy. Egal ob die romantisch oder á la HdR war. Es hatte keine Einordnung wie „Jugendbuch“. Man hat sich eben als Teenie im Fantasy-Regal ausgetobt, und wenn es da zur Sache ging, dann war das eben so. Da stand nicht: „Kind, lass die Finger davon“.

Manchmal waren die Geschichten eher für ein weibliches Publikum, manchmal nicht. Es gab keine eindeutigen Grenzen wie heute. Ebenso, wie es in meinen Büchern keine eindeutigen Grenzen gibt. Ich bin eben eine Frau. Schlachten und Kämpfe sind nicht mein Ding. Sie kommen vor, aber mein primäres Augenmerk liegt nicht darauf. Und ich muss eben auch keine Bücher schreiben, wie ein Mann es tun würde. Warum auch? Das tun doch schon die Männer, nicht? Trotzdem muss ich mir kein „Romantic“ Label auf die Stirn pappen, das dann wilden Sex verspricht, oder „All Age“. Ich bin ich. Das sind meine Geschichten, fertig. Kommt da Erotik vor? Wenn es denn muss und passt. Aber sicher nicht in jedem Detail, sodass Eltern das Werk nicht gleich auf den Müll befördern müssen. Wenn mich das Label-untauglich macht, ok. Dann isses eben so.

Eigentlich ist das alles relativ einfach. Es hat nur ein bisschen gedauert, bis ich unter dem Einfluss von „alles muss ein eindeutiges Label haben“ darauf gekommen bin. Goodbye Schublade, dieses Eckchen ist meins. Da bin eben ich drin, ganz ohne Aufkleber.