Von Spiegelbildern und der Aussicht auf die Zielgerade

Langsam aber sicher glaube ich, dass ich mich auf der Zielgeraden befinde. Ich bin bei über 350 Seiten angekommen, und wenn der Umfang dem der Vorgänger ähnelt, dann habe ich noch gut 150 Seiten zu schreiben. Das würde auch in etwa zu dem Geschehen passen, das noch abgehandelt werden muss. Die Mitte des Buches liegt jedenfalls hinter mir. Das ist sicher.

Im Grunde hat sich nichts daran geändert, dass die Geschichte regelmäßig meine Pläne über den Haufen wirft. Ich kämpfe nicht dagegen an. Die Entwicklung ist im Normalfall besser als das, was ich vorhatte. Einige Stellen waren emotional ziemlich fordernd. Es hat sich gerade in den letzten Kapiteln vieles aus der Vergangenheit der Protagonisten offenbart, was durchaus grausam war. Und auch Aureanne, die im Verlauf der letzten Seiten etwas ins Abseits geraten war, hat sich wieder ins Spiel gebracht.

Eine recht faszinierende Tatsache ist, dass die Hauptakteure wie Spiegelbilder wirken. Manche in ihren Unterschieden, andere in ihren Gemeinsamkeiten. Sylveine und Aureanne sind sehr unterschiedliche Charaktere. Die eine selbstsüchtig, den schönen Seiten des Lebens zugetan. In Prunksucht und Luxus zuhause. Die andere hat genau dieses Leben hinter sich gelassen, kümmert sich vielleicht mehr um andere als um sich selbst und bereut bitter, dass sie ihre Selbstsucht einmal hat überwiegen lassen. Auch Aerios und der Schurke – Damiras – sind gewissermaßen ein Spiegelbild des anderen. Der eine will sterben, der andere sucht das ewige Leben. Die Lösung ist für beide die Gleiche.

Ähnlich ist es um Gemeinsamkeiten bestellt. Sowohl zwischen Aerios / Sylveine als auch Aerios / Aureanne. Das war nie geplant, sondern hat sich beim Schreiben ergeben. Es ist spannend, das zu entdecken und zu ergründen. Und es gibt wahrscheinlich schon den Hinweis darauf, dass in Aerios’ Brust zwei recht unterschiedliche Seelen schlummern.

Momentan bin ich am zufriedensten, wenn ich den ganzen Tag ungestört schreiben kann. Das ist ein großer Luxus, der unerwartet gekommen ist. Und auch wenn ich mich abends oft fühle wie ein ordentlich ausgewrungener Waschlappen, so ist es doch eine Art von zufriedener Erschöpfung. Für den Augenblick bin ich glücklich mit dem Buchverlauf. Ich habe mich damit ausgesöhnt, dass es kein Drachenkönig 2 ist (so sollte es ja auch sein) und bin gespannt, wie lange ich noch in Aerios’ Leben herumstochern darf. Eines ist dabei schon jetzt sicher – wenn es Zeit ist, von dieser Geschichte Abschied zu nehmen, wird es auch diesmal schrecklich schwer werden.